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Inklusive Leidenschaft. Lesben, Schwule ... - Berlin.de

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129 Journalistische

129 Journalistische Repräsentation muss deshalb immer mehr sein als nur Repräsentation (als Abbildung einer angenommenen „Wirklichkeit“ oder in diesem Fall einer angenommenen „Fantasie“) – sie muss auch ein Element der Reflektion enthalten, also ein Bewusstsein der generativen Kraft von Bildern besitzen. Schöne schwule Welt Zum Beispiel stellt sich die Frage für jeden jungen Mann, der gerade sein schwules Coming-out hat: Bietet die weitgehend kommerzialisierte schwule Szene eine Orientierung, die tatsächlich etwas mit dem Begehren dieses jungen Mannes (und seinen Ängsten und Nöten) zu tun hat? Oder verlangt sie von ihm ein Körperbild und eine sexuelle Performanz, die eine Überforderung sind? (mit Steroid-Missbrauch oder Bulimie als Folgen). Schwuler Mainstream Journalismus, wie ihn MÄNNER betreibt, hat ja nicht nur eine ausschließende Funktion gegenüber Menschen mit Behinderung, sondern mit seinen Fantasie-Behauptungen gegenüber den meisten schwulen Männern. Wer sieht schon aus wie ein Pornostar? Und dennoch scheint die Mehrheit der Subjekte als Kunden vor allem an genau diesen Bildern interessiert zu sein. Die konkrete Frage, an einem Ort wie dem, an dem ich mein Geld verdiene, geht also so: Wie könnte man dem Dilemma von Fantasieproduktion als Voraussetzung für Verkäuflichkeit einerseits – falls wir bereit sind diesen Gedanken zu akzeptieren – und Normen-Produktion mit ausschließender Wirkung andererseits entkommen? Zunächst: sicherlich gibt es mutigere Verleger und experimentellere Ansätze als die Geschäftsphilosophie des Bruno Gmünder Verlages, der seine simple Verkaufsformel – sex sells – Anfang der 1980er Jahre in Opposition zu den politisch und intellektuell anspruchsvolleren schwulen Buchläden entwarf. Aber wenn wir das Problem nicht in einem idealen diskursiven Raum interesseloser Kritik allein verhandeln, sondern den Realitätscheck der praktischen Umsetzbarkeit mit einbeziehen wollen – wie ich es hier versuche, muss man auch fairerweise sagen: Um finanziell zu überleben bleibt die Formulierung eines Mainstream-Modells unausweichlich. Also noch einmal von vorne: Wenn das Cover, von dem ich bisher hauptsächlich gesprochen habe, als Ort der Repräsentation von Behinderung aus Gründen der Verkäuflichkeit nicht in Frage kommt, welcher Platz bleibt dann für blinde Schwule,

130 Schöne schwule Welt für gehörlose Schwule, für Schwule im Rollstuhl, innerhalb der schwulen Welt, die speziell dieses Gmünder-Produkt, für das ich arbeite, anzubieten hat? Ich habe gesagt, Magazine verkaufen sich über die Fantasien, die sie anzubieten haben. Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit. Sie verkaufen sich auch über Geschichten und damit über das Leben und die Lebendigkeit, von der sie erzählen. Während die Fantasie immer gleich bleibt – alle Heftcover ähneln sich irgendwie, – das ist die „Handschrift“ oder die Identität eines Blattes, bleibt der Inhalt des Heftes weniger berechenbar. Das Cover zeigt Ideologie – bestenfalls reflektiert, also ironisch gebrochen – doch das Heft hat mehr als Ideologie zu bieten, das ist jedenfalls mein Anspruch. Im Fall von MÄNNER versuche ich das Problem der Normierung also über eine Diskrepanz von Verpackung und Inhalt auszuhandeln: Neben Ressorts, die an aktuellen Debatten (Politik) oder an aktuelle Termine angebunden sind (Kultur) haben wir ein Ressort kreiert – „Leben“ – in dem termin-ungebunden Geschichten von Menschen erzählt werden, die zum Beispiel keine Stars sind. Das mag als fauler Kompromiss erscheinen, ist aber auch ein wirtschaftliches Risiko: Kunden, die das Cover sehen, mögen vom Inhalt enttäuscht sein. Die Widersprüchlichkeit des Magazins ist aber auch eine Strategie das makellose Verkaufskonzept immer wieder zu unterwandern, und das Heft – bestenfalls – in die Spannung eines produktiven Selbstwiderspruchs zu bringen. Im Unterschied zur Bildermacht des Gmünder-Kosmos soll sich im Ressort „Leben“ das Diverse des Alltags zeigen, und in der Tat war auch dieses Ressort der Ort, wo wir eine Geschichte über den schwulen deutschen Blindenschachmeister Dieter Bischoff gebracht haben. (MÄNNER 06 / 09) Journalistisch habe ich überhaupt keine Zweifel, dass sich diese Geschichten nicht immer wieder genauso vielfältig, interessant und lustig erzählen lassen wie andere. Wichtig war es mir in diesem speziellen Fall, dass es keine Betroffenheits- und Mitleidsstory wird, sondern von der Behinderung selbstverständlich und auch mit Witz miterzählt wird – als Teil eines schwulen Alltags. Eine solche strategische Spaltung (Playboy und Stern funktionieren nicht anders) wie ich sie jetzt für MÄNNER beschrieben habe, birgt allerdings auch das Risiko das „Bunte“ oder „Nicht-Sexuelle“ an die Behinderten zu delegieren und

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