IOEW SR 075 Ökonomische Alternativen zum Ausbau E..., Seiten 1 ...

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rektvermarktung, Hofläden oder Hausbelieferung einstellen. Auch der Naturkosthandel

ist nicht beliebig expandierbar. Die künftige Gestaltung der Absatzwege hat also

entscheidenden Einfluß auf die Steigerung der Marktanteile. "Möglicherweise wird

mit der vertikalen Integration am Markt in Zukunft die Erzeugung und Vermarktung

von Lebensmitteln vom Feld bis zur Ladenkasse vertraglich geregelt. Die entscheidende

Frage für die Landwirte ist in diesem Zusammenhang, ob sie nur am Ende

einer solchen Vertragskette stehen und nur noch ja oder nein sagen können, oder

ob sie sich in Erzeugergemeinschaften zusammenschließen, um mit ihrem eigenen

Markenprodukt den Markt zu durchdringen. Mit ihrem eigenen Markenprodukt sind

sie am Markt nicht so leicht austauschbar und haben eine sehr viel bessere Position

wie einzelne Erzeuger von austauschbaren Produkten. Diese Gedanken sind sehr

stark von der Marketinggesellschaft für niedersächsiche Agrarprodukte verbreitet

worden" (Thimm 1989).

Neue Absatzwege zu erschließen bedeutet aber oft andere Anforderungen an die

Landwirte und die Verarbeitung der Erzeugnisse. Nur im Einzelfall werden direkt ab

Hof Produkte angeboten, die die Abnehmerinnen nachfragen. Im allgemeinen sollen

die Lebensmittel vorverarbeitet sein. Haushalte wollen kein ungemahlenes Getreide,

Großküchen keine ungeschälten Kartoffeln, der Handel keine lose Milch und Restaurants

keine Schlachttiere. Auch wenn vorverarbeitete Lebensmittel gegen einige

Prinzipien der Vollwertküche sprechen (Verarbeitung der Lebensmittel unmittelbar

vor dem Verzehr), sollte man bei der Erschließung neuer Absatzwege die Kundenlnnenwünsche

berücksichtigen. Eine Verhaltensänderung der Verbraucherinnen kann

höchstens langfristig über Information und Aufklärung erfolgen. Dieses ist dann

möglich, wenn ein Kontakt über die Ware zustande kommt. Als Zwischenglied zwischen

den Landwirten und den Verbraucherinnen werden also Unternehmen benötigt,

die aus den Produkten des ökologischen Landbaus marktfähige Ware machen.

2.5.3.1 Handlungsfeld Rindfleisch

Die Elbtalaue weist standortbedingt einen hohen Anteil Dauer-Grünland (Wiesen,

Mähweiden und Weiden) auf, auch wenn viele fakultativen Grünlandstandorte besonders

nach entsprechenden Meliorationsmaßnahmen bereits zu Ackerflächen

umgebrochen wurden. Das Verhältnis Acker- zu Grünland beträgt im elbnahen Bereich

der Kreise östlich und westlich der Elbe ca. 50:50, während es in den gesamten

landwirtschaftlichen Flächen der Kreisgebiete im Durchschnitt bei ca. 70:30 liegt.

Hieraus ergibt sich traditionell eine große Bedeutung der Viehhaltung in dieser Region,

da mit den Wiesen und Weiden eine gute Futtergrundlage geboten ist.

Heute ist neben der Weidehaltung während der Vegetationsperiode zunehmend

Gras- und Maissilage die Futtergrundlage im Winter. Demgegenüber tritt die Heugewinnung

deutlich zurück. Dieses ist zum einen witterungsbedingt, da zur Heuernte

eine längere Schönwetterperiode notwendig ist als bei der Silage. Zum anderen haben

sich die Ansprüche an die Qualität des Futters verändert. Die Steigerung der

täglichen Milchleistung einer Kuh und das Bestreben bei der Fleischproduktion die

Mastzeiten zu verkürzen sind nur bei hoher Energiekonzentration und keinem zu

hohem Rohfasergehalt des Futters zu erreichen. Insbesondere die heute üblicherweise

in der Landwirtschaft verwendeten Züchtungen sind sehr anspruchsvoll. Diese

Ansprüche sind aber neben (importiertem) Kraftfutter besonders mit Maissilage als

Futtergrunglage eher zu erreichen als mit Heu. Bei der Grassilage ist man bestrebt,

möglichst junges Gras zu ernten, um eine ähnlich hohe Qualität wie bei Mais zu er-

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