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Der Burgbote 1988 (Jahrgang 68)

Kölner Stadt-Anzeiger,

Kölner Stadt-Anzeiger, 5. 7. 1988 Malte Wittwer schrieb: „Divertissementchen sucht begabte Autoren für neue Stücke Wenn Faustus kölsch spricht Drei Preise gestiftet — Der Sieger erhält 10 000 Mark Et Zillche braucht neues Blut. Geldprämien bis zu 10 000 Mark in einem Preisausschreiben sollen kölsche Dichterfedern beflügeln. Gesucht wird ein neues Stück für die Bühnenspielgemeinschaft “Cäcilia Wolkenburg” im Kölner Männer-Gesang—Verein. Die Arbeiten werden erst vor dem Sachverstand von zwölf Jurymitgliedern bestehen müssen — und eines Tages Vielleicht vor den über 50 000 Besuchern des „Zillche“ im Opernhaus. Die Uraufführung soll in der Session 1990 stattfinden. Seit auf der kleinen Bühne der Wolkenburg neben der Cäcilienkirche (daher der Name) 1874 die ersten Divertissementchen spielfreudiger und sangesbegabter Männer aufgeführt wurden, waren es oft immer wieder die selben, die nach Themen für die Auffüh— rungen suchten und sie dem Zillche auf den Leib schneider— ten. So war der verstorbene Cäcilia-Regisseur Klaus Rohr 16 Mal auch Autor der Stücke. Josef Meinertzhagen, Schauspieler und Regisseur, erdachte gemeinsam mit Gerti Runkel die Geschichten für zwei Aufführungen, etwa achtmal war Gerti Runkel alleine die Auto— rin. So wertvoll die Kenntnisse solcher alten Fahrensleute sind, Horst Massau, Präsident des Kölner Männer—Gesang- Vereins und Baas der Cäcilia Wolkenburg, möchte auch neuen Leuten eine Chance geben. Für die kommende Ses— sion beispielsweise schreibt der ehemalige Spielleiter des Hänneschen-Theaters, Gerard Schmidt, das Stück. Massau verrät davon nur, daß es sich um eine kölsche Geschichte mit geschichtlichem Hintergrund handeln wird. Damit ist auch schon einer der Themenkreise beschrieben, die auf der Wunschliste des Spielkreises stehen. Historisches ist erlaubt, etwa eine Bearbeitung der Geschichte von Jan und Griet. In der Vergangenheit wurden auch immer wieder Opern in kölsche Mundart und kölsches Milieu umgesetzt und parodistisch aufbereitet, etwa Carmen, Tannhäuser oder Boheme. Sogar einen kölschen Faust hat es schon gegeben. Nun ist das KÖlsche ja eine Sache für sich. Manch einer meint, nur er beherrsche die richtige Ausdrucks— weise, die korrekte Schriftform. „Kleinere Abweichungen sind für uns keine Stolpersteine“, sagt Horst Massau. Er weiß, daß es beispielsweise schon in Deutz Ausdrücke gibt, die anderen Kölnern nicht geläufig sind.“ Kölnische Rundschau, 18. 7.1988 „Wettbewerb mit kölscher Parodie Cäcilia Wolkenburg ruft alle Autoren auf Alle Schriftsteller, ob Amateure oder „Profis“, sind aufgerufen, zur Feder zu greifen. Es gilt, ein Divertissementchen für die „Cäcilia Wolkenburg“ zu schreiben. Wer die Mundart nicht beherrscht, so Massau, solle sich mit einem guten Einfall aber dennoch beteiligen. Gegebenenfalls wird das Stück dann „eingekölscht“. Alle Rollen, auch die weibli— chen, werden bei der Cäcilia Wolkenburg von Männern übernommen; auch dies ist von den Autoren zu berück— sichtigen. Vor allem aber sind die kölschen Divertissementchen stets Parodien — in der Handlung wie in der Musik (deren Arrangement übernimmt der musikalische Leiter). 150 Sänger stehen für die Aufführungen bereit; tragende Rollen für bis zu zehn Solisten sowie bis zu 15 Nebenrollen sollten die Autoren vorsehen. Einsendeschluß für die Manuskripte ist der 28. Februar 1989. Sie sind zu richten an die Cäci— lia Wolkenburg, Bühnenspielgemeinschaft im KMGV, Mauritiussteinweg 59, Haus Wolkenburg, Köln 1. Die prämierten Manuskripte werden möglicherweise von der Cäcilia Wolkenburg angekauft und inszeniert. vol“

Musik aktuell Karl—Robert Danler porträtiert den zeitgenössischen Kom— ponisten: „Harald Genzmer — Komponist und Praktiker Am 9. Eebruar 1909 in Bre— men—B1umenthal geboren, er— freut sich Harald Genzmer auch heute noch einer unge— brochenen Vitalität. Er studier— te in Berlin bei Curt Sachs und Georg Schünemann und wur— de dann ein Schüler Paul Hindemiths. wohl dessen bedeu— tendster Studiosus überhaupt. Am Opernhaus in Breslau begann (‘xenzmer seine prakti— sche kt’mstlerische Tätigkeit als Korrepetitor (1954/ 57). In seiner Genzmer—Monr>graphie sagt Erich Valentin: Es ist be— ziehungsvoll. daß er dann nicht, wie zu em'arten war, über das ausgeübte Amt des Studienleiters in die Kapellmeisterei ‘aufstieg’. IÜIberra— schenderweise wandte er sich einer völlig anders gearteten Aufgabe zu: der Beschäftigung mit dem sogenannten Laien, d. h. der Erfüllung eines selbstgewählten sozial-pädagogischen Auftrags. Das geschah — in den Jahren 1958/ 40—an der Volksmusikschule Berlin-Neukölln, übrigends unmittelbar nachdem Hindemith seine ohne— dies durchl('‚')cherte Hoch— schultätigkeit aufgegeben hat— te. Das zu erwähnen erscheint deshalb notwendig, weil in der Tatsache von Genzmers neu— em Wirkungskreis ein Stück von jener fruchtbaren Anre— gung erkennbar wird, die aus Hindemiths und Eritz Jodes Initiative gerade erst entstan— den war. Beides nun, Theater und Volksmusikschule, mag auf den ersten Blick unverein— bar scheinen. Aber gerade in diesergegensätzlich wirkenden Kombination und Abfolge, die, wie gesagt,auffreiem Entschluß beruhte, ist der Weg vorgezeichnet. den Genzmer ging.“ Nach dem Kriege wurde Genzmer 1946 Professor an der Hochschule für Musik in Freiburg, und 1957 folgte er einem Ruf als Professor für Komposition an die Staatliche Hochschule für Musik in Mün— chen. In den 50 Jahren, in denen Harald Genzmer in München lebt und wirkt, ist — wie oft schon — eine schöpferi— sche Potenz norddeutscher Herkunft bruchlos in die süd— deutsche Kulturlandschaft ein— gegangen. Mehrere Jahre hat Genzmer auch als Präsident der Abteilung Musik innerhalb der Bayerischen Akademie der Schönen Künste einen berei— chernden Einfluß auf das gei— stig—kulturelle Klima Mün— chens ausgeübt. Über das Musikdenken Genzmers hat Gustav Scheck im Vonvort eines Genzmer- Werkverzeichnisses ausge— führt: „Aus seiner Ehrfurcht und Bewunderung gegenüber Debussy, Hindemith, Bartok, Strawinsky und auch Richard Strauss hat Genzmer nie ein Geheimnis gemacht. Er kennt ihre Werke, wie die der älteren großen Meister bis in die fein— sten Strukturen. Wie oft der Vollblutmusiker, der Genzmer ist, Freunde oder Schüler durch unerschöpfliche Zitate am Klavier verblüfft. Den Weg zum Neuland der Musik Schönbergs und 'Weberns mochte Genzmer, ungleich Dallapiccola, nicht gehen. Die esoterische Welt der inkom— mensurablen Klänge, der Zau— bergärten der Dodekaphonie, der kaleidoskopisch schim— mernden Mobilität der Formen zog Genzmer so wenig an wie die Attitüde der antibürgerli— chen Fronde. Das Werk Genzmers verneint das L’art pour l’art der Verlorenheit des Künstlers in einer verständnis— losen und feindlichen Umwelt. Es ist dem Leben, dem Musikleben, wie es sich anbietet, zu— gewendet“.