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Der Burgbote 1988 (Jahrgang 68)

56 Benefizkonzert für

56 Benefizkonzert für die Basilika Knechtsteden Im Mai dieses Jahres, von Christi Himmelfahrt bis Pfingsten (12. — 22. 5.) begeht das Missionshaus Knechtsteden bei Dorrnagen die 850—Jahr—Feier der Grundsteinlegung seiner ro— manischen Basilika. Kölner Geistliche waren es, die im 12. Jahrhundert Norbert von Xanten nach Pre’montre’ in Burgund folgten und um 1130 an den Rhein zurückkehrten, um auf dem Fronhof des Domdechan— ten, Hugo von Sponheim, Klo— ster und Kirche zu bauen. Seitdem ist die wechselvolle Ge— schichte des Prämonstratenser- Stifts Knechtsteden stets eng mit den Bischöfen und Bürgern der Stadt Köln verbunden. Nicht nur den Zerstörungen während der Neusser Fehde (1474 — 77) und den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges (1618 — 48) trotzte das alte Stift. Dank der geschickten Taktik des in Köln geborenen letzten Knechtstedener Kanonikers, Winand Kayser (+ 1842 in Köln) konnten sogar die drohenden Folgen der Säkularisation - Verkauf bzw. Abriß — zunächst von ihm abgewehrt werden. Das Schicksal des Stifts schien endgültig besiegelt. als am 7. Juni 1869 ein verheerender Brand Kirche und Kloster in eine Ruine verwandelte. Es war ein Kölner Bürger, Anton Scheben, Bierbrauer, Gastwirt und Original in einer Person, der damals alles daran— setzte, das Werk seines Großon— kels Winand Kayser zu retten und fortzusetzen. Schon bevor So präsentiert sich die Basilika Knechtsteden im Jahre 198< . „d’r Schäbens Tünn”, wie er von seinen Freunden genannt wurde, 1879 einen Reparaturverein für Knechtsteden gründete, konnte er Anfang der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts den Köl— ner Männer-Gesang-Verein, den Bonner Stiftschor und andere bekannte Chöre für Wohl— tätigkeitskonzerte zugunsten Knechtstedens gewinnen. Zu den „Helfern in der Not” gehörte auch der „Männergesangve— rein Philohymnia in Köln" (heute MGV Liederkranz), der 1889 ein Halbfenster im Ostchor der Kirche stiftete, wie eine Inschrift ausweist. Als 1895 die Spiritaner nach Knechtsteden kamen. war die Kirche zwar wiederhergestellt, aber das Kloster lag noch in Schutt und Asche. Es war wie— der ein Kölner, nämlich das— Ratsmitglied Zilkens, der den „Verein für das Missionshaus Knechtsteden” ins Leben rief, in dem der Reparaturverein seine Fortsetzung fand. Bis zum Er— sten Weltkrieg wurden regelmäßig Konzerte durch die genannten Chöre zugunsten dieses Vereins veranstaltet. So berichtet Foto: Harald Esscr z.B. das ‚.Echo aus Knechtste— den”, eine Zeitschrift „besonders für die Mitglieder des Ver— eins für das Missionshaus Knechtsteden" in der Februa— rausgabe des Jahres 1905: „Am 20. März 1904 gab der Kölner Männer-Gesang—Verein unter der Leitung des Königl. Musik— direktors, Herrn Prof. Jos. Schwartz, zum Besten des Missionshauses im großen Gürze— nichsaale zu Köln sein 3. Wohltätigkeitskonzert. Der pekuniäre Erfolg betrug 1582 Mk. - Der Kölner Männer-Gesang—Verein hat bis heute für Knechtsteden 4497 Mk aufgebracht.” Auch in Knechtsteden selbst wurde von jeher Musik gepflegt; davon zeugen u.a. Choralbücher (Graduale) aus dem 17. Jahr— hundert mit ihren kostbaren Initialen. Leider haben nur wenige Exemplare die Plünderungen und Verwüstungen beim Einmarsch der französichen Trup— pen (1794) und beim Brand 1869 überdauert. Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte der ge— mischte Knechtstedener Klo— ster—Chor (Männer und Knaben) unter Pater Emil Seiter in der

Benefizkonzert für die Basilika Knechtsteden Kirche und im Innenhof des Kreuzgangs zahlreiche Konzerte aufgeführt, die Tausende von Besuchern anlockten. - Der vor wenigen Jahren gestorbene Bonner Beethoven—Kenner, Prof. Joseph Schmitd—Görg, ist aus Knechtsteden hervorgegangen. - Zu Beginn der 60er Jahre erlangte der Seminaristen-Chor unter Leitung von Pater Josef Wipper mit Gesängen der ost— kirchlichen Liturgie Berühmt— heit. — Nicht zuletzt die außergewöhnlich gute Akustik läßt mu— sikalische Aufführungen in der Basilika zu einem Erlebnis werden. Hervorragende Chor— und Instrumental-Konzerte veranstal— tete seit Beginn er 70er Jahre der damals gegründete Orgelbauve— rein zugunsten einer neuen Or— gel. Nach Aufstellung der neuen Beckerath—Orgel setzte er als „Kulturverein Knechtsteden” seine musikalische Tätigkeit bis 1985 fort. Leider fügt sich das musikalisch sehr gute Instrument vom Prospekt und vom Standort her dem romanischen Raum in keiner Weise ein. Heute, in der Zeit der 850— Jahr-Feier, muß Knechtsteden — nicht zuletzt infolge von Braunkohleabbau— und Umweltschäden — erneut um den Erhalt seiner Basilika bangen. Um die erforderlichen Mittel für die bereits begonnene Renovierung der Kirche und für den Fortbestand der gewaltigen Kloster— anlage aufzubringen, hat sich 1987 erneut ein „Förderverein für das Missionshaus Knechtste— den" konstituiert. Dem Vor— stand gehört u. a. das Mitglied des Kölner Männer—Gesang- Vereins, Adalbert Wadle, an, der nach dem Zweiten Welt— krieg auch Schüler in Knecht— steden war. Alle Bewohner. Freunde und Gäste des Missionshauses freu— en sich, daß der Kölner Männer— Gesang-Verein anläßlich der 850-Jahr—Feier an seine alte Tradition anknüpft und am Sonntag, dem 15. Mai 1988, nachmit— tags um 16.00 Uhr nach jahr— zehntelanger Unterbrechung wieder ein Chor—Konzert zugunsten Knechtstedens und seiner Basilika veranstaltet. Pater Klaus-Elmar Piller Blick ins Archiv Studiert man die Vortrags— Ordnung des im vorstehenden Artikel erwähnten Konzertes des KMGV vom 20. März 1904 zum Besten des Vereins für das Missionshaus Knechtsteden, so überrascht, daß von 18 aufge— führten Komponisten 10 Kompositionen aus der Feder von aktiven Mitgliedern des Vereins 7 Kompositionen von Ehrenmitgliedern des KMGV und 1 Komposition vom Dirigent des Vereins stammen. Mathieu Neumann, über den unser jetziger Dirigent einmal äußerte: „Der wußte, wie Män— nerchöre klingen! wird im Programm als aktives Mitglied des Vereins ausgewiesen. Galakonzert der 57 Kölner Orchester- Gesellschaft Über ein gelungenes Konzert am 6. März 1988 in der der Philharmonie berichtete Kölner Stadt-Anzeiger Dienstag, 08.03. 1988 „Jan Corazolla im Festkonzert Ganz konzentriert blicken sie in ihre Noten, der ältere Herr an der Klarinette genauso wie die junge Bratschistin am ersten Pult und der eifrige Paukenschläger: Gerade jetzt, beim Festkonzert zum 100jährigen Jubiläum ihrer „Kölner Orchester—Gesell— schaft” in der Philharmonie, möchte keiner der Laienmusiker patzen. Unter Jan Corazolla gelingt ihnen Beachtliches. Mächtig dringt Wagners „Meistersinger”-Ouvertüre an das Zuhörer— ohr. Mit Elan stürzen sich die Spieler in das Stimmengetüm— mel und glänzen besonders bei der immer wiederkehrenden Fanfarenmelodie. In drei Werken wirkt der Kölner Männergesangverein unter Hans—Josef Roth mit. Er singt zunächst ganz stimmgewaltig Mathieu Neumanns höchst ro— mantisches„Vexi11a Regis”. Mit einem sehr gepflegten Chorklang macht er dann bei Johannes Brahms’s Rhapsodie für Altstimme, Männerchor und Orche— ster auf sich aufmerksam. Hier wachsen Sänger und Spieler zu einem homogenen Ensemble zusammen und entwerfen von Brahms’ Partitur ein lyrisches Stimmungsbild. Mit sanfter