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Der Burgbote 1988 (Jahrgang 68)

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l elll —- ’l 50 5:9” . . .H'n 71’14001'5 tlm ’(h/I'II'q/m.’ 35353393! olI Wilhelm Dahlmeyer, Bestattungsuntemehmen gegtun del 1867 5000 Köln 41 (Lindenlhal), Dürener Slraße 211 Telefon 4149 36 l HEINZ SCHNEIDER Gold- und Silberschmiedemeister ATELIER FÜR GOLD- u. SILBERSCHMIEDEKUNST Köln 91 (PoII) . Poller Haupstraße 37 Telefon 8 30 73 02 GUT BEKANNT DURCH DAS BEKANNT GUTE

auf der Herrenseite, was zum einen einen freundlicheren und besseren Service der Garderobe bedeutete und zum anderen einen intensiveren Kontakt zur sog. „Drosselgasse” mit sich brachte, einer Garderobe, in der sich das wesentliche Pausenge— schehen abspielt. Dort wird alles, was zu feiern ist, gefeiert, und es befand sich dort auch ein nennenswertes Weindepot. Unter der fachkundigen Beratung eines echten Küfermeisters hör— te man ständig die Empfehlung für besonders trockene oder liebliche oder fruchtige oder ele— gante „Weinchen”, die von den Sängern auch gegen profane Biermarken sowohl für den So— fortverbrauch auf der Bühne als auch in größeren Mengen für den häuslichen Weinkeller gekauft wurden. Das Geschäft war während der ganzen Vorstel— lungszeit so intensiv und umfangreich, daß mit Sicherheit mancher Profibetrieb neidisch geworden wäre, wenn er einen derartigen Umsatz auf einer so kleinen Quadratmeterfläche ge— habt hätte. Wie jedes Jahr fand auch eine geschlossene Vorstellung für das Festkomitee Kölner Karneval statt mit Live—Auftritt des Dreigestirns. Das Zeremoniell des Aufzugs, der Begrüßung und der Lobhudelei war jedoch wenig stimmungsfördernd, so daß bei manchem Beteiligten die Erinnerung an eine Vorstel— lung aus dem Vorjahr wach wurde; bei dieser Gelegenheit waren alle Karten einer Vorstel— lung von einer Bank erworben worden. Das Echo aus dem Bank—Publikum war so schwach und temperamentlos, daß von dieser Vorstellung nur noch ge— sprochen wurde als vom „Requiem für eine Bank”. Der Auftritt des Gurkenkö— nigs Pluto war für viele Sänger auf der oberen Etage von beson— derem Interesse, da sein Diener ein Faß Gewürzgurken mit— brachte, von denen Pluto einige huldvoll verteilte. Die Drängelei der Sänger nach diesen Gürk— chen erinnerte schon fast an die Jagd nach Kamellen oder Besse— rem im Rosenmontagszug. Selbst wenn der Gurkenkönig mit seinem Diener schon fast außer Reichweite war, gelang es immer noch dem einen oder an— deren Sangesbruder, mit langem Arm direkt in das Gurkenfaß zu grapschen, um sich selbst eine triefende Gurke herauszuangeln, und somit dem akuten Hungertod zu entrinnen. Wie üblich tranken die Gäste auf der Bühne nicht das städti— sche Gemisch aus Apfelsaft und Sprudelwasser, sondern brach— ten sich selbst Wein oder Sekt mit. Gelegentlich gelang es je— doch, das eine oder andere be— reits leergetrunkene Glas unbe— merkt mit Gurkenwasser aufzufüllen. Beim anschließenden freundlichen Zuprosten verzogen sichjedoch schmerzhaft und „gesäuert” die Gesichter; da— nach wurden Schimpfkanona— den auf die vermeintlichen Täter abgelassen, die dem „Kölschen Explizeer” zur großen Ehre ge— reicht hättcn. An Weiberfastnacht war ein besonderer Jux eingebaut, als Faktotum Dux die Gurke für die allabendliche Wahl der „Miß Zillchen” (alias das Urteil des Paris) in Empfang nahm. Es wurde ihm diesmal statt der kleinen Gewürgurke eine riesengroße Salatgurke angereicht. 51 und zwar vom Regisseur Mei— nerzhagen höchstpersönlich. Nichtsdestotrotz hat Dux sein Urteil gesprochen und anschlie— ßend herzhaft in die Salatgurke gebissen. Im zweiten Teil der Vorstellung am Weiberfastnachtstag trat nach einer längeren Text— passage ohne musikalische Be— gleitung eine Stockung ein, da vor dem Orchester ein leeres Di— rigentenpult gähnte. Nach eini— gen Sekunden des Zögerns und der Unsicherheit ergriff jedoch der Konzertmeister beherzt den Bogen und gab das Zeichen zur musikalischen Fortsetzung des Stücks auf ohne Dirigent. Dieser eilte bald behende herbei (ob aus der Kantine oder aus dem Gegenteil ist nicht bekannt) und freute sich offensichtlich, daß das Stück auch ohne ihn seinen Fortgang genommen hatte. Der Dankeschönabend für die Aktiven des Zillchens ’88 war in diesem Jahr in der neugestalteten Wolkenburg besonders gut gelungen. Angefangen vom Begrüßungssekt (und Rosen für die Damen) über die ansprechenden musikalischen Darbietungen bis zum kalten Buffet und einer temperamentvollen Tanzkapelle, die überwiegend ohne Verstärker Livemusik dar— bot, war der Abend ein voller Erfolg, der auch den monatelan— gen Strohwitwen eine kleine Entschädigung bot. Für die Sänger ergibt sich nun wieder das Problem, die zillchen—lose, die schreckliche Zeit gut durchzustehen und sich ohne Entzugserscheinungen dem normalen Chorbetrieb zu widmen. Reiner Schellen