Aufrufe
vor 6 Monaten

Der Burgbote 2015 (Jahrgang 95)

24 funktioniert nur bei

24 funktioniert nur bei Profis. Unsere Sänger können das, was sie können, sehr gut. Aber diese Bandbreite, in verschiedene Stimmfächer und verschiedene Rollen zu rutschen, das ist nun mal den Profis vorbehalten. Also schaue ich, was kann der gut, und dann schreibe ich ihm die Melodien praktisch auf den Leib. Das ist zuweilen schwieriger, als für Profis zu schreiben. Und trotzdem macht das Spaß? Das macht mir sogar einen riesigen Spaß. Ich kann den kompletten Entwicklungsprozess eines Stückes mitgestalten. Als einer der ersten bekomme ich das neue Drehbuch. Dort steht dann zwischen den Texten immer nur »Musik 1, Musik 2« usw. Und nun gieße ich die Partien Stück für Stück in Musik. Bald schon beginnen die ersten Proben und ich weiß, wer mir als Sänger zur Verfügung steht. Das erfordert oft Änderungen. Und irgendwann ist das Ganze fertig. Dieser Weg von den ersten Textzeilen bis zum fertigen Divertissementchen fasziniert mich jedes Jahr aufs Neue. Und es ist gut und wichtig, dass ich das über einen längeren Zeitraum mache, denn so lerne ich die Sänger immer besser kennen. Ich bin gedanklich das ganze Jahr über beim Zillche. Jedes Musikstück, das ich höre, prüfe ich auf Tauglichkeit für die Cäcilia, wäre das etwas fürs aktuelle Stück und wo könnte es passen. Wie bist Du zum Arrangieren gekommen? Seit meinem 16. Lebensjahr habe ich immer mal wieder komponiert, ein paar eigene Titel geschrieben und auch arrangiert. Irgendwann kamen dann andere Bands und Solisten zu mir und wollten ihr Lied, das für eine Schallplatte aufgenommen worden war, für die Bühne umgeschrieben haben. Ireen Sheer wollte z. B. ihren berühmten Titel »Heut Abend hab ich Kopfweh« als Büh-

nenarrangement haben. Das habe ich dann gemacht. Im Laufe der Zeit habe ich hunderte Arrangements geschrieben. Meist für eine Vierer-Rhythmusgruppe und für vier Bläser. Die Arbeit für ein großes Orchester wie beim Zillche war auch für mich neu. Was machst Du außer der Arbeit fürs Zillche? Ich habe noch immer eine eigene Band, die »Westwood Slickers«, eine Projekt-Formation. Wir spielen in wechselnder Besetzung und für unterschiedlichste Anlässe. Außerdem gehe ich ganz gern immer mal wieder für ein paar Monate auf ein Kreuzfahrtschiff. Ich bin dort der Musical Director, also der Musik-Chef an Bord. In meine Zuständigkeit fällt alles, was auf dem Boot klingt und tönt: Show-Ensemble, die Bands, die Hintergrundmusik. Es gibt auf jedem Schiff ein Theater mit bis zu tausend Plätzen, wo jeden Abend eine Show geboten wird. Die Musik kommt vom Band, aber die Aufführungen müssen einstudiert und immer wieder geübt werden. Ich koordiniere das alles. Außerdem gibt es kleine Soloprogramme mit Chansons usw. oder große Shanty-Abende mit der kompletten Besatzung als Chor, die ich am Klavier begleite. Das sind recht vielfältige und abwechslungsreiche Aufgaben. Allerdings bleibt genügend Zeit für Landgänge, und für mich sind diese Reisen auch ein wenig Urlaubsersatz. Ich muss natürlich rechtzeitig fürs Zillche wieder zurück sein. Und ein eigenes Tonstudio hast Du auch noch – was passiert dort? Ich habe seit meiner Jugend mein selbstverdientes Geld immer für Elektronik und Aufnahmetechnik ausgegeben. Wenn ich am Wochenende gespielt habe, bin ich am Thomas Guthoff am Flügel, am Mischpult, bei der musikalischen Arbeit, mit Götz Alsmann, auf der Schiffsbühne Montag in ein Musikgeschäft gegangen und habe mir ein neues Mikro gekauft. Nach ein paar Jahren besaß ich so viele Geräte, dass ich eine Band aufnehmen konnte. Ich hatte zunächst gar keine kommerziellen Hintergedanken, das hat mir einfach Spaß gemacht. Aber ich bekam Aufträge, denn das war offenbar ein Markt. Und so mietete ich in Essen, wo ich damals wohnte, eine alte Bäckerei auf einem Hinterhof, die ich zum Studio umbaute. Als ich vor zwölf Jahren in den Westerwald umzog, habe ich das Studio nochmal vergrößert. Ich finde, in der Musik muss man immer mehrgleisig fahren. Die einzelnen Bereiche sind immer wieder unterschiedlich nachgefragt. Wie hat es Dich Ruhrpottpflanze in den Westerwald verschlagen? Daran ist der KMGV schuld. Ich musste aus meinem Studio in Essen raus. Also zog ich auf der Landkarte um meinen Hauptarbeitsplatz Köln einen Radius von 60 Kilometern. Das war die Entfernung von Essen nach Köln. Ich begab mich auf die Suche nach einer bezahlbaren Immobilie für Studio und Wohnen. Auf dem Land konnte sie ruhig liegen. Irgendwann fand ich dann einen alten Bauernhof, der genau 60 Kilometer von Köln weg ist. Ich habe die Anlage fünf Jahre lang selbst umgebaut. Gibt es eine besondere Zillche-Anekdote? Unzählige, die ich gar nicht alle erzählen kann. Die Cäcilia Wolkenburg ist völlig unberechenbar (lacht). Man weiß nie so recht, wo es hingeht, und am Ende kommt etwas ganz Wunderbares dabei heraus. Ich habe absolute Hochachtung vor der Leistung aller Sänger und Tänzer, die teilweise ja noch berufstätig sind und Abend für Abend zu den Proben und Aufführungen gehen. Maat üch ne Püngel Freud – Et Zillche es schön! UR Personen und Persönliches 25

Der Burgbote 1979 (Jahrgang 59)
Der Burgbote 2014 (Jahrgang 94)
Der Burgbote 2007 (Jahrgang 87)
Der Burgbote 2016 (Jahrgang 96)
Der Burgbote 1983 (Jahrgang 63)
Der Burgbote 2012 (Jahrgang 92)
Der Burgbote 2017 (Jahrgang 97)
Der Burgbote 1989 (Jahrgang 69)
Der Burgbote 2009 (Jahrgang 89)
Der Burgbote 2010 (Jahrgang 90)
Der Burgbote 1970 (Jahrgang 50)
Der Burgbote 1980 (Jahrgang 60)
Der Burgbote 1984 (Jahrgang 64)
Der Burgbote 1991 (Jahrgang 71)
Der Burgbote 1976 (Jahrgang 56)
Der Burgbote 1975 (Jahrgang 55)
Der Burgbote 1990 (Jahrgang 70)
Der Burgbote 2000 (Jahrgang 80)
Der Burgbote 1987 (Jahrgang 67)
Der Burgbote 2003 (Jahrgang 83)
Der Burgbote 1981 (Jahrgang 61)
Der Burgbote 2011 (Jahrgang 91)
Der Burgbote 1986 (Jahrgang 66)
Der Burgbote 1988 (Jahrgang 68)
Der Burgbote 2008 (Jahrgang 88)
Der Burgbote 2013 (Jahrgang 93)
Der Burgbote 2006 (Jahrgang 86)
Der Burgbote 1982 (Jahrgang 62)
Der Burgbote 1977 (Jahrgang 57)
Der Burgbote 1978 (Jahrgang 58)