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Der Burgbote 2015 (Jahrgang 95)

48 Dort, wo die

48 Dort, wo die Restauratoren täglich penibel Pinsel und anderes Feinwerkzeug einsetzen, um an abgeschirmten Arbeitsplätzen Unterlagen wieder lesbar zu machen, konnte man nun fein säuberlich angeordnetes Werkzeug und die Dokumentationsunterlagen begutachten. Hinweisschilder lieferten Erläuterungen zu den Exponaten. Dass man sich speziell auf uns vorbereitet hatte, erkannte man allerdings, als auf mehreren Tischen Verschiedenes aus dem Archivbestand des KMGV zu sehen war: Alte Aufnahmebücher des KMGV lagen hier mit Namen von Mitgliedern, an die sich manche auch noch erinnerten. Fotografien aus lange zurückliegenden Divertissementchen und auch Ablichtungen ehemaliger Präsidenten des KMGV. Was natürlich auch nicht fehlen durfte, waren Partituren. Von jedem Stück des KMGV befindet sich hier im Archiv eine Ausfertigung für jede Stimme, sei es nun »Die stille Wasserrose«

oder »Rheinisches Leben – rheinische Lust« und wie sie sonst noch alle heißen. Fasziniert hörten die Teilnehmer zu, als Frau Dr. Schmidt-Czaia die einzelnen Schritte erläuterte, wie man es sogar geschafft hatte, aus teilweise gestauchten und zerknitterten Dokumenten, manche mehrere Jahrhunderte alt, mit viel Geduld, Muße und einer vorsichtig angesetzten Presse schließlich wieder ansehnliche und »anfassbare« Archivalien zu machen. Wie eingangs erwähnt, wurden hier inzwischen auch viele Spezialverfahren entwickelt, die zur Rettung von Archivalien benötigt werden. Was die Rettung von Papier angeht, befand die Forschung sich nicht mehr in den Kinderschuhen, doch was beispielsweise Fotos betrifft, traf man hier auf besondere Herausforderungen. Hier hat man mit viel Akribie und in Zusammenarbeit mit Spezialisten Methoden entwickelt, bei denen Geräte eingesetzt werden, die ihre eigentliche Anwendung bei Mukoviszidose- Kranken haben. Wer für ungewöhnliche Situationen Lösungen finden möchte, muss ungewöhnliche Wege gehen. Für Archivare und Restauratoren ist der Begriff der Vernetzung von wesentlicher Bedeutung. Es besteht viel Forschungsbedarf und man teilt sein Wissen gerne mit anderen, um gemeinsam zum Ziel zu kommen. Was hier in Lind im RDZ geleistet wird, begeistert sogar die internationale Gemeinschaft der Fachleute. In andertalb Jahren sind bereits 23.000 Urkunden trockengereinigt und neu montiert worden. Eine Zahl, die beeindruckt, die aufhorchen lässt. Wenn man dann aber hört, dass es noch viele Jahrzehnte dauern wird, bis alle Archivalien identifiziert, gereinigt, zusammengefügt und zugänglich sind, weiß man, dass die heutigen Archivarinnen und Archivare des RDZ wohl einen sicheren Arbeitsplatz haben dürften. Gleichzeitig aber werden so manche von ihnen das Ziel, den Abschluss der Rettung der Dokumente, während ihres Berufslebens wohl nicht mehr erleben werden. Wir danken Frau Dr. Schmidt-Czaia und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für diese informative und beeindruckende Führung durch diese faszinierende Welt! Die aktuelle Liste der wieder verfügbaren Archivalien (nicht nur KMGV) umfasst 845 Seiten. Sie kann auf der Webseite des Archivs als PDF-Datei abgerufen werden. Neben Hinweise z. B. auf eine Urkunde aus dem Haupturkundenarchiv »Der Kölner Erzbischof Conradus« [Konrad von Hochstaden] vom 18. März 1258 findet man dort auch schon einige Hinweise auf den KMGV. Von Seite 408 bis 412 trifft man auf die Eintragungen des Bestandes 1336 »Kölner Männer Gesang-Verein«. Ob es eine besondere Bedeutung hat, dass hier als erstes das »Ave Maria« aufgeführt ist? Die Auflistung endet mit »Heilige Mahd«. Weiter hinten finden sich in anderen Beständen weitere Hinweise auf diesen Chor. Wer sich weiter über das Archiv informieren möchte, dem sei die Website www.historischesarchivkoeln.de ans Herz gelegt. Dort kann man auch den digitalen Lesesaal besuchen. Hier findet man dann Dokumente aus der Vergangenheit, die für die Zukunft digital aufbereitet sind. AV KMGV-Archiv 49